#bestseller: Eiskalter Tod in den Südtiroler Dolomiten

REZENSION. Der Bozner Luca D’Andrea legt mit seinem Thriller „Der Tod so kalt“ einen kommerziellen Traumstart hin. Das Buch stieg direkt in die Top Ten der italienischen Bestsellerliste ein. Auch die Übersetzungsrechte für das Buch sollen bereits in 35 Länder verkauft worden sein. Er scheint also den Geschmack von sehr vielen Lesern getroffen zu haben. Doch hohe Verkaufszahlen bedeuten nicht gleichzeitig, dass es sich hierbei um ein literarisches Meisterwerk handelt. In diesem Beitrag wage ich mich deshalb auf Spurensuche: Zum einen nach dem Erfolgsrezept von Luca D’Andrea und zum anderen nach dem literarischen Wert des Roman-Debuts.

Gefährliche Idylle

Wir lernen zunächst den Hauptcharakter Jeremiah Salinger kennen, der von den meisten aber nur Salinger genannt wird. Dieser ist, in seiner Heimat USA, ein aufstrebender Star am Dokumentarfilmhimmel und verheiratet mit der Südtirolerin Annelise. Sie ziehen, gemeinsam mit ihrer Tochter Clara, in das beschauliche Bergdorf Siebenhoch – dem Heimatdorf von Anneliese.

Dort wird Salinger, auf der Suche nach dem nächsten großen Doku-Hit, in einen tragischen Unfall der Hubschrauberrettung verwickelt. Nur Salinger überlebt, fünf andere Menschen sterben.

Die Macht der Bestie

Gequält von Panikattacken und Albträumen versucht er sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Immer wieder hört er „die Stimme der Bestie“, welche in den Bergen zu lauern scheint und jene so gefährlich macht. Salinger will aber für seine Familie stark sein und lenkt sich mit Ausflügen – gemeinsam mit Clara – von seinen Ängsten ab. Ein Besuch der Bletterbachschlucht eröffnet schließlich den Haupt-Erzählstrang des Thrillers: Salinger belauscht ein Gespräch über den brutalen Mord dreier Siebenhochler, vor rund 30 Jahren. Gepackt von Neugier und Ehrgeiz wagt er sich auf die Mission, den ungelösten Mordfall aufzuklären. Dieses Unterfangen gestaltet sich allerdings alles andere als einfach, bekommt Salinger (vor allem zu Beginn seiner Recherche) die starke Abneigung einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft zu spüren.

Doch Salinger entwickelt eine regelrechte Obsession, bringt somit auch seine Familie in Gefahr und schreckt bei seiner Recherche vor nichts mehr zurück, bis er endlich den Täter ausfindig machen konnte. Doch gerade als er sich in Sicherheit wiegt, schlägt die Bestie der Dolomiten mit aller Macht zu.

Tops:

– Ausgefallene und ausführliche Hintergrundgeschichte vieler Charaktere

– Einblick in die Bräuche und Sagenwelt Südtirols

– Die eigene Berufserfahrung des Autors, welche dem Hauptcharakter Authentizität verleiht

Flops:

– Die Handlung plätschert zu Beginn unaufgeregt dahin, man wartet lange auf den großen Knall

– Eine eigentlich wichtige Person im Umfeld von Salinger, nämlich seine Ehefrau, bleibt viel zu blass

– Die Erzählung schließt mit einem unnötigen Wendepunkt und deshalb stark abgehakt

Meine Wertung: 3/5

 

 

Details zum Herangezogenen Werk

Genre: Thriller

Seitenanzahl: 469

Ausgabe: 2. Auflage 2017, Deutsche Verlags-Anstalt

Originaltitel: La sostanza del male

Übersetzung aus dem Italienischen ins Deutsche von Verena von Koskull

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4 Gedanken zu “#bestseller: Eiskalter Tod in den Südtiroler Dolomiten

  1. Finde ich auch … Zudem fand die Episode mit dem Hubschrauber anfangs etwas reißerisch, so wie man es in amerikanischen Spielfilmen findet … Wollte das Buch schon aus der Hand legen, habe mich dann aber durchgebissen …

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    • Ja da gebe ich dir vollkommen recht! Zudem machte er sich dadurch (bei mir zumindest) sehr unbeliebt, da er ja unbedingt in diese Schlucht wollte. Ohne diese leichtsinnige Aktion wäre die Tragödie also nicht passiert. Wie ist dein Fazit insgesamt? 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Liest sich stückweise wieder ganz spannend.
        „Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht? Etwas, so uralt wie die Erde selbst …“ – als da immer wieder Andeutungen gemacht wurden musste ich mich überwinden weiter zu lesen … ich mag Fantasy nämlich nicht so sehr … aber ahnte während des Lesens schon, dass die Lösung des Rätsels nicht fantastisch, mythisch oder so sei …. sonst hätte das Buch weggelegt …

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