Selbstversuch: Eine Woche lang digitale Entgiftung

Wie viele Stunden verbringt ihr täglich mit eurem Smartphone in der Hand? Diese Frage können wohl nur die Wenigsten von uns beantworten. Natürlich benötigen wir dieses moderne Helferlein auch bei der Arbeit oder in der Uni. Mich interessiert in diesem Beitrag aber vor allem die Nutzung während unserer Freizeit. Ich selbst habe schon längst den Überblick über meine Smartphone-Nutzung verloren, weshalb ich mir vorgenommen habe, ein Experiment zu wagen: eine Woche lang werde ich mein Smartphone „nur“ noch im Zeitraum zwischen 18 und 19 Uhr nutzen.

Tag 1

Eine Stunde lang klingt eigentlich nach ziemlich viel oder? Dass es nicht so einfach werden wird, wie zunächst vermutet, erfahre ich aber bereits am Vormittag. Immer wieder ertappe ich mich, wie ich nach meinem Smartphone greife, und mich zwingen muss, es schnell wieder hinzulegen. Bis Mittag vergeht die Zeit recht langsam. Plötzlich schaffe ich mein Lernpensum mit Links und kann sogar immer wieder kurz an die frische Luft gehen und Pausen einlegen.

Nach dem Mittagessen schaue ich etwas Fernsehen, das mich ohne Smartphone in der Hand, ziemlich langweilt. Auch andere Aufgaben für die Uni kann ich anschließend sehr schnell erledigen und bekomme richtig Lust, eine Runde Laufen zu gehen. Wieso auch nicht? Diese plötzlich gewonnene Freizeit muss schließlich irgendwie genutzt werden.

Dann ist meine erlaubte Stunde Smartphone-Nutzung endlich gekommen. Nach kurzer Zeit fällt mir auf, wie wenig ich an diesem Tag verpasst habe und versetze das Telefon um 18:45 Uhr wieder in seinen Tiefschlaf.

Tag 2

Dem Telefon schenke ich am Morgen weitaus weniger Beachtung als noch am Vortag. Es liegt gut aufbewahrt in seiner Ecke, wobei ich seltener in Versuchung komme, es in die Hand zu nehmen. Anschließend läuft eigentlich alles wie gehabt. Ich komme mit meinem Lernpensum gut voran und habe jede Menge Freizeit, weshalb ich mir die heutige Ausgabe der Zeitung etwas genauer anschaue. Danach hole ich noch das Fahrrad aus dem Winterschlaf und mache damit die erste Ausfahrt des Jahres. Ab 18 Uhr erfahre ich dann eine Art Déjà-vu: die Welt scheint sich ohne meine Beteiligung in Sozialen Netzwerken und co. recht gut weiter zu drehen. Dennoch weite ich heute den Zugriff bis auf 18:55 Uhr aus.

Tag 3

Was mir an diesem Tag auffällt ist, dass ich mich ausgeschlafen fühle und deutlich frischer in den Tag starte, als die Wochen zuvor. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Augen nicht schon um 7 Uhr morgens mit allen möglichen Reizen überfordere. Der Rest des Tages verläuft wie gehabt: Mittagessen, kurz Fernsehen, Sport, Smartphone-Nutzung bis 18:30 Uhr, Lesen, Schlafen.

Tag 4

Ich treffe mich heute zum Mittagessen mit einer Freundin. Dabei fällt mir auf, dass wir beide keine Sekunde damit verschwenden, auf unser Telefon zu starren. Es ist gemütlich, wir reden über dieses und jenes und genießen unser Essen. Es ist nichts weiter zu ergänzen, denn Ablenkungen gibt es heute keine. Dabei stelle ich mir die Frage, ob es eine Art Gruppenzwang ist, mal schnell auf das Smartphone zu blicken. Zum Beispiel ab dem Moment, wenn einem der Gegenüber keine Beachtung mehr schenkt. Der restliche Tag verläuft wieder sehr entspannt: Lesen, etwas Fernsehen, Sport und Smartphone. Diesmal bis 18:39 Uhr, Fernsehen, Schlafen.

Tag 5

Mit den Geschehnissen während des Tages möchte ich euch an dieser Stelle nicht langweilen, da nichts Aufregendes passiert ist: Lernen, kurz Fernsehen, Lesen, Sport, Smartphone-Nutzung bis 18:25 Uhr. Was am Abend passiert ist, ist aber einen Eintrag wert. Ich liege bereits im Bett und mache eine merkwürdige Entdeckung. Es handelt sich um ein bestimmtes Geräusch, das mir komplett fremd vorkommt. Es handelt sich um meinen Atem. Das ist jetzt kein Witz. Ich höre klar und deutlich meinen Atem. Sonst nichts.

Tag 6

Ich bin wieder in Innsbruck. Der Uni-Alltag geht also wieder los. Dennoch will ich mein Experiment fortführen und halte mich an meine auferlegte Regel. Das Telefon lasse ich in meinem Zimmer. Dabei merke ich immer wieder einen unbewussten Griff in meine Hosentasche, indem es sich sonst immer befindet. Ich werde also noch immer sehr stark von meinem Smartphone gelenkt – auch wenn ich es gar nicht dabei habe. Anschließend: Mittagessen, Hausaufgaben, Sport, Telefon bis 18:41 Uhr, Lesen, 2 Folgen einer Serie gucken, Schlafen.

Tag 7

Der letze Tag meines Experiments. Ich gehe ohne Kopfhörer in den Ohren einkaufen und anschließend zur Vorlesung. Etwas aufregendes passiert heute nicht mehr, aber natürlich muss ich diese Erfahrungen noch abtippen. Zur Feier des erfolgreich durchgeführten Experiments, fasse ich mein Telefon heute überhaupt nicht mehr an.

Fazit:

Es ist wirklich beeindruckend wie stark ich mittlerweile von meinem Telefon abhängig bin. Dienste, wie E-Mails zu checken oder den Zugriff auf online-Dokumente für die Uni, habe ich in dieser Zeit natürlich mit Hilfe des Laptops aufgerufen. Trotzdem konnte ich in diesen 7 Tagen viel über mich selbst lernen und werde es versuchen, auch in Zukunft, das Smartphone öfter aus der Hand zu geben.

Versucht es doch auch mal,

Euer Manu

 

Advertisements

3 Gedanken zu “Selbstversuch: Eine Woche lang digitale Entgiftung

  1. … handy … tja, bin selten mal erreichbar, weil mein gerät irgendwo auf dem boden einer tasche oder rucksacks liegt … lautlos … so dass ich es selbst oft erst nach langem suchen finde … aber pc … da sitze ich stundenlang … abhängigkeit pur … rechtfertige es mit arbeit … aber das ist nur bruchteil … mal ein tag ohne? unvorstellbar … da bräuchte es schon einen sonnensturm … dass alle elektronischen geräte ausfallen … schöne sommerpause!!!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s