Im Laufe der Zeit

Bei dem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft (welchem Gingia und ich zurzeit nachgehen) kommen wir immer wieder mit den berühmtesten, komplexesten und weltliterarisch relevantesten Werken in Berührung. Zurzeit arbeite ich mich selbst durch einen 800-Seiten Wälzer mit dem Titel „Verbrechen und Strafe“, geschrieben von Fjodor Dostojewski. Sollte jemand von euch den Roman in Kürze selbst lesen wollen, warne ich euch schon mal vor, da sich einige spoiler in diesem Beitrag eingeschlichen haben.

Bei einem Werk welches in den 1860-er Jahren geschrieben wurde, ist es natürlich nicht wirklich überraschend, dass in der Handlung weder Emojis vorkommen, keine Fotos auf Instagram gepostet werden oder die Protagonisten ihre Zeit nicht dafür verwenden, Katzen zu filmen und die clips auf Youtube zu veröffentlichen. Einige Kleinigkeiten wie etwa die Eltern zu siezen, für neue Kleidung den gesamten Monatslohn hinblättern zu müssen oder Wodka beinahe als Grundnahrungsmittel zu betrachten, sind dann doch etwas überraschend.

Wie schnell sich einige alltägliche Handlungen verändern können ist wirklich beeindruckend. Zum Beispiel erkrankt der Protagonist des Romans ziemlich schwer, befindet sich über einige Tage sogar im Fieberdelirium. Heute würde schnell der Laptop aufgeklappt, eine Selbstdiagnose mit Hilfe von Dr. Google gestellt und anschließend das Medikament bei einer online-Apotheke bestellt. Dieses trifft am morgigen Tag durch Express-Lieferung ein und spätestens Übermorgen ist man wieder kerngesund.

Außerdem begeht der Protagonist im Fieberdelirium zwei Morde, welche die zuständigen Politzisten und Ermittler mit äußerster Langsamkeit versuchen aufzudecken. Heute würde dies wesentlich schneller gehen. Entweder verewigt sich der Mörder selbst auf unzähligen Überwachungskameras oder wird durch ein Haar, welches auf dem Türknopf drei Häuser weiter entdeckt wird, überführt (wenn man den Kriminalserien im Fernsehen Glauben schenken mag).

Ich bin schon gespannt wie spätere Generationen zum Beispiel über unsere kulturellen Eigenschaften, unsere Art von Freizeitgestaltung oder Essgewohnheiten denken werden. Dies dürfte ich, durch die fortschreitenden Leistungen der Medizin, sicher selbst noch im Alter von 178 Jahren erfahren.

Euer Manu

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